BMBF Fördermaßnahme "Industrie 4.0-Testumgebungen - Mobilisierung von KMU für Industrie 4.0"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert im Rahmen dieser Richtlinie das Innovationspotenzial kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), um digitalisierte Prozesse und Produkte zu entwickeln, zu erproben und anzuwenden. Um die Forschungsförderung insbesondere für erstantragstellende KMU attraktiver zu gestalten, hat das BMBF das Antrags- und Bewilligungsverfahren vereinfacht, beschleunigt und die Beratungsleistung für KMU ausgebaut. Die Bekanntmachung gibt grundsätzlich Anwendungsfelder und Technologie nicht vor; ein Bezug zu ­Industrie 4.0, Internet der Dinge oder Cyber-Physischen Systeme ist allerdings Voraussetzung. Wichtige Förderkriterien sind Exzellenz, Innovationshöhe und wirtschaftliches Potenzial.

Die Fördermaßnahme ist Teil der neuen Hightech-Strategie „Innovationen für Deutschland“ der Bundesregierung (www.hightech-strategie.de) und des Zehn-Punkte-Programms des BMBF für mehr Innovation in KMU, „Vorfahrt für den Mittelstand“. Sie stärkt und entwickelt die Position von KMU in Deutschland für Industrie 4.0. Sie fördert die Zusammenarbeit von KMU mit anwendungsorientierten Forschungseinrichtungen. Zusätzlich sichert die Fördermaßnahme die Vorreiterstellung Deutschlands im Bereich Industrie 4.0 und fördert deren weiteren Ausbau

Förderziel und Zuwendungszweck

KMU bilden eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und sind in industriellen Wertschöpfungsketten vom ­Zulieferer bis zum Systemhersteller vertreten. In diesen Ketten sind sie wichtige Partner in Innovations- und Wertschöpfungsprozessen und somit Treiber des technischen Fortschritts. Sie sind zudem oft hochspezialisiert und ­branchenübergreifend tätig.

KMU besitzen günstige Voraussetzungen, um schnell auf technische Entwicklungen und Marktpotenziale zu reagieren und Forschungsergebnisse in neue Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen umzusetzen. Die Evaluierung der ­Projektförderung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) hat gezeigt, dass KMU Projektergebnisse doppelt so schnell auf den Markt bringen wie Großunternehmen.

KMU sind daher in besonderer Weise in der Lage, digitale Vernetzung und die Entwicklung hin zu einem Internet der Dinge und Dienste effektiv und effizient voranzutreiben. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für den Paradigmenwechsel in der Wirtschaft hin zu einer digitalisierten Wertschöpfung.

Ziel dieser Maßnahme ist es, KMU bei der Anpassung ihrer Wertschöpfungsmodelle an digitalisierte Prozesse und bei der Forschung und Entwicklung (FuE) von neuen digitalen Produkten zu unterstützen. Mit der Maßnahme sollen KMU zudem von der Expertise anwendungsorientierter Forschungseinrichtungen profitieren, die einen direkten Technologietransfer ermöglichen. Sie erhalten damit Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und können diese in ihre eigenen Aktivitäten einbringen. Innovationsbarrieren sollen minimiert und eine breite Anwendung neuer Technologien vorangetrieben werden. KMU werden damit bei der Digitalisierung ihrer Wertschöpfungskette sowie bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle gestärkt.

Dies geschieht durch die Förderung von kurzfristigen, zielgerichteten Projekten mit Unterstützung durch Industrie 4.0-Testumgebungen – im Folgenden auch I4.0-Testumgebungen genannt. Insbesondere werden Projekte zur Lösungs­findung und zur Erprobung innovativer Industrie 4.0-Komponenten adressiert. An deutschen Forschungsinstituten ­stehen dazu eine Reihe von I4.0-Testumgebungen zur Verfügung.

Die zahlreichen bundesweit verfügbaren Testumgebungen bieten dazu spezifische Kompetenzen und Fähigkeiten an. Damit erhalten die Antragsteller einen Zugang zu Pilotanlagen und Demonstrationsfabriken, um neue Methoden zur Gestaltung, zum Betrieb und zur Bewertung von IT-basierten Produktionssystemen zu entwickeln, zu erproben oder weiterzuentwickeln. Zusätzlich können geeignete Aus- und Weiterbildungsprogramme anhand der gewonnenen ­Erkenntnisse erarbeitet werden.

Rechtsgrundlagen

Der Bund gewährt die Zuwendungen nach Maßgabe dieser Richtlinie, der §§ 23 und 44 der Bundeshaushaltsordnung (BHO) und den dazu erlassenen Verwaltungsvorschriften (VV) sowie der „Richtlinien für Zuwendungsanträge auf Ausgabenbasis (AZA)“ bzw. der „Richtlinien für Zuwendungsanträge auf Kostenbasis (AZK)“ des BMBF. Ein Rechts­anspruch auf Gewährung einer Zuwendung besteht nicht. Die Bewilligungsbehörde entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel.

Nach dieser Förderrichtlinie werden staatliche Beihilfen auf der Grundlage von Artikel 25 Absatz 2 Buchstabe b bis d, der Artikel 28 und 29 der Verordnung (EU) Nr. 651/2014 der EU-Kommission vom 17. Juni 2014 zur Feststellung der Vereinbarkeit bestimmter Gruppen von Beihilfen mit dem Binnenmarkt in Anwendung der Artikel 107 und 108 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union1 gewährt. Die Förderung erfolgt unter Beachtung der in ­Kapitel 1 AGVO festgelegten gemeinsamen Bestimmungen, insbesondere unter Berücksichtigung der in Artikel 2 der Verordnung aufgeführten Begriffsbestimmungen (vgl. hierzu die Anlage zu beihilferechtlichen Vorgaben für die Förderrichtlinie).

Gegenstand der Förderung

Gegenstand der Förderung sind Einzelvorhaben von KMU und mittelständischen Unternehmen in den Themenfeldern Industrie 4.0, Cyber-Physische ­Systeme (CPS) und Internet der Dinge. Es wird dabei ein breites Themenspektrum adressiert: Gefördert werden die Entwicklung oder Erprobung von neuen Produkten und Prozessen sowie deren Weiterentwicklung, die Entwicklung innovativer Systemansätze sowie die Entwicklung digitaler Dienstleistungen.

Durch die Fördermaßnahme können z. B. schnelle und zielgerichtete Entwicklungen innovativer Cyber-Physischer ­Systeme (CPS) durch den Einsatz neuer Methoden und Werkzeuge unterstützt werden.

Die Lösungen können in einem breiten Spektrum von Anwendungsfeldern und Branchen zur Anwendung kommen: Maschinenbau und Automatisierung, Mobilität und Logistik, Gesundheit und Medizintechnik, Energie und Umwelt ­sowie IKT-Wirtschaft.

https://www.i4kmu.de/projektbeispiele

In begründeten Einzelfällen ist auch die Förderung eines branchenübergreifenden Technologietransfers möglich.

Testumgebungen

Basis der geförderten Projekte ist ein Zusammenwirken antragsberechtigter Unternehmen mit einer I4.0-Test­umgebung. Die Testumgebungen stellen bundesweit anwendungsnahe, experimentelle und dem Stand der Technik entsprechende Demonstrationsanlagen sowie Know-how für die Durchführung der Projekte bereit. Die KMU sowie die mittelständischen Unternehmen werden mit der Förderung in die Lage versetzt, eigene Lösungen in für sie geeigneten I4.0-Testumgebungen zu entwickeln oder zu erproben. Damit soll die Einführung und Umsetzung von Industrie 4.0 in die betriebliche Praxis wesentlich erleichtert werden.

https://www.i4kmu.de/testumgebungen

Begleitende Maßnahmen

Damit Innovationsbarrieren vermieden werden und um Antragsteller anzusprechen, die noch keine Erfahrung mit öffentlichen Fördermöglichkeiten haben, wird die gesamte Fördermaßnahme unterstützend begleitet. Diese Begleitung kann von jedem Förderinteressenten in Anspruch genommen werden. Sie umfasst z. B. eine Erstinformation, eine Unterstützung bei der Auswahl einer geeigneten I4.0-Testumgebung oder bei der Skizzenerstellung. Während der Projektlaufzeit kann ebenfalls eine Unterstützung in Anspruch genommen werden, z. B. für die Durchführungsplanung, die Gestaltung des Projektabschlusses oder für die Ergebnisauswertung. Nach Abschluss des Projekts besteht die Möglichkeit für einen Erfahrungsaustausch zwischen KMU und Testumgebungs-Betreibern.

https://www.i4kmu.de/kontaktstelle

Zuwendungsempfänger

Antragsberechtigt sind KMU.

KMU im Sinne dieser Förderrichtlinie sind Unternehmen, die die Voraussetzungen der KMU-Definition der EU erfüllen (vgl. Anhang I der AGVO bzw. Empfehlung der Kommission vom 6. Mai 2003 betreffend die Definition der Kleinstunternehmen sowie der KMU, bekannt gegeben unter Aktenzeichen K (2003) 1422 (2003/361/EG)): http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32003H0361&from=DE]. Unternehmen können sich zur Klärung ihres Status bei der Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes persönlich beraten lassen.

Darüber hinaus sind mittelständische Unternehmen im Rahmen einer Förderung nach Artikel 25 Absatz 2 Buchstabe b bis d AGVO antragsberechtigt, wenn sie einschließlich verbundener oder Partnerunternehmen (vgl. Artikel 3 der oben genannten KMU-Definition) zum Zeitpunkt der Antragstellung eine Größe von 1 000 Mitarbeiter und einen Jahres­umsatz von 100 Millionen Euro nicht überschreiten.

Zum Zeitpunkt der Auszahlung einer gewährten Zuwendung wird das Vorhandensein einer Betriebsstätte oder Niederlassung in Deutschland verlangt.

Der Zuwendungsempfänger erklärt gegenüber der Bewilligungsbehörde seine Einstufung gemäß Anhang I der AGVO im Rahmen des schriftlichen Antrags.

Weitere Informationen finden Sie hier.